Schon zu Beginn meines Studiums war mir klar, dass ich in jedem Fall ein Semester im Ausland verbringen möchte. Da ich gerne eine weitere Sprache als Englisch lernen wollte, fiel meine Wahl schnell auf Spanien.

Ciudad de las Artes y las Ciencias in Valencia
Ciudad de las Artes y las Ciencias in Valencia

Über das Erasmus Programm der Universität Bonn gab es eine Partnerschaft mit der Universidad Politecnica de Valencia. Da in der Politecnica im Bereich Geodäsie fast alle Kurse in Spanisch angeboten werden, habe ich zu Hause schon 2 Sprachkurse an der Uni belegt. Ansonsten war die Vorbereitung des Auslandssemesters nicht besonders aufwendig. Von ehemaligen Austauschstudenten in Valencia wurde mir empfohlen erst vor Ort ein Zimmer zu suchen. Da ich einen zweiwöchigen Sprachkurs mit Unterkunft vor Vorlesungsbeginn belegt habe, hatte ich genug Zeit, mir ein Zimmer zu suchen. Über den Sprachkurs habe ich viele Austauschstudenten aus verschiedenen Ländern kennen gelernt. Die größte Umgewöhnung war die Anpassung an die spanischen Zeiten, insbesondere abends. Gegessen wird zwischen 21 Uhr und 23 Uhr und zum Feiern geht man nicht vor 2 Uhr oder 3 Uhr in den Club. Die Siesta wurde dann auch ganz schnell von den Austauschstudenten umgesetzt.

 

An der Politecnica belegte ich die Bachelor Kurse „diseño avanzado de obras”, “microgeodesia y deformaciones” und “ topografia de obras especiales”, sowie einen weiteren Sprachkurs. Die Kurse hatten die Themenbereiche Straßen- und Schienenplanung, Deformationsmessungen und Analyse, sowie Brücken- und Tunnelbau und Vermessung. Das Studium in Spanien ist anders aufgebaut als in Deutschland. Man hat viele kleinere Tests, Präsentationen oder Abgaben, die alle in die Endnote mit einfließen und teilweise eine Klausur ersetzen. Die Professoren im Fachbereich Geodäsie waren sehr geduldig und haben viele Sachen mehrmals erklärt, auch wenn sie oft nur teilweise Englisch verstehen. Da meine gewählten Kurse alle aus dem letzten Bachelorjahr und Wahlkurse für die Spanier waren, besuchten die Kurse nur zwischen 5 bis 8 Studenten. Zusätzlich endeten diese Mitte April, damit im Anschluss Zeit für die Bachelorarbeit zur Verfügung steht. Die ersten Wochen waren sehr anstrengend, da gerade das Fachvokabular fehlte und die Überwindung, im schlechten Spanisch Unklares nachzufragen sehr groß war. Die Universität hat einen riesigen Campus und zur Mittagszeit treffen sich die meisten Studenten draußen in einem der vielen Cafes. Zusätzlich habe ich das Sportprogramm für 40€ pro Semster genutzt. Hier konnten zahlreiche verschiedene Kurse wie Yoga, Zumba, Crossfit, Salsa und Bachata etc. besucht oder auch verschiedene Sportplätze wie Beachvolleyball, Tennis, Paddeltennis, Fußball reserviert werden.

Wandern in Chulilla
Wandern in Chulilla
eine aufgebaute Falla
Aufgebaute Falla

Die Freizeit kam natürlich auch nicht zu kurz. Im März sind “Fallas” in Valencia. Ein riesiges Stadtfest, welches Anfang März anfängt und vom 15.3 bis zum 19.3 seinen Höhepunkt hat. Jeder Fallas-Verein baut eine eigene sogenannte Falla, die aus Pappmache und Holz besteht und oft einen politschen oder gesellschaftskritischen Hintergrund hat. Während der Zeit gibt es viele Feuerwerke und Umzüge der Falleros. Zusätzlich wird in den letzten Tagen überall auf der Straße gefeiert und in der letzen Nacht werden die Fallas verbrannt. Während der letzten 5 Tage der Fallas sind keine Kurse in der Uni, somit hatte ich genug Zeit viele der wunderschönen und teilweise riesigen Fallas zu besichtigen und mir verschiedene Feuerwerke anzugucken. Zudem bin ich in der Umgebung von Valencia viel wandern gewesen und habe Spanien erkundet. Natürlich durften da Madrid, Barcelona und Andalusien nicht fehlen. Außerdem bin ich nach Porto und Lissabon gereist.

Mein Spanisch hat sich durch das Zusammenleben mit meinen zwei mexikanischen Mitbewohnerinnen und einem Sprachtandem mit einer Spanierin, die ein Auslandsemester in Deutschland gemacht hat, enorm verbessert. Allerdings wird sonst durch die vielen Austauschstudenten deutlich mehr Englisch als Spanisch untereinander gesprochen.
Das halbe Jahr in Spanien hat mir ein tolles Land mit seiner Kultur und Menschen nähergebracht. Ich habe viele neue Freunde gefunden und viele neue Erfahrungen gesammelt. Ich kann jedem nur empfehlen einen längeren Auslandsaufenthalt zu machen.