Auch wenn es sich in Wien durchaus gut studieren lässt, kam im Laufe meines Studiums der Geodäsie und Geoinformatik der Wunsch auf, einige Monate das Studentendasein im Ausland zu erleben. Im Sommersemester 2017 habe ich die Möglichkeit bekommen im Rahmen des Erasmus+ Programms ein halbes Jahr in Valencia zu studieren.

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Die lebendige Stadt an der Ostküste Spaniens hat nach Madrid und Barcelona die drittgrößte Einwohnerzahl des Landes und wird aufgrund einiger renommierter Universitäten von jeder Menge Studenten bewohnt. Die technische Uni der Stadt ist die UPV, die Universitat Politécinca de Valencia, in der ich für 5 Monate mein Bachelorstudium fortsetzte. Ende Januar in Valencia angekommen, ging es ziemlich schnell an die Wohnungssuche. Der Betrieb auf der Uni ist schon ab Februar in vollem Gange, deshalb fuhr ich schon ab den ersten Tagen nach meiner Ankunft regelmäßig zum Campus.

Da ich schon vor meinem Erasmus-Aufenthalt gute Spanischkenntnisse hatte und schon öfters in Spanien gewesen war, dauerte es nicht lange um mich in meinem neuen Umfeld einzuleben. Was jedoch mehr Zeit benötigte um mich daran zu gewöhnen war der große Campus der UPV der alle Fakultäten der Uni beheimatete. Anders als an der TU Wien wo die unterschiedlichen Institute an verschiedenen Standorten in unterschiedlichen - manchmal historischen – Gebäuden untergebracht sind, ist der Campus der UPV ein großes Areal der so ziemlich alles beinhaltet, was für Studenten mehr oder weniger wichtig ist. Es gibt verschiedenste Cafeterien, Aufenthaltsräume, Sportplätze, und Geschäfte. Sogar zum Friseur oder zur Fahrschule kann man hier gehen.

Mein Stundenplan für dieses Semester bestand aus 5 Fächern: Ich absolvierte einen Spanischkurs, und besuchte die Lehrveranstaltungen Raumplanung und Raumordnung, Geophysikalische Messungen, GIS Programmierung für mobile Geräte sowie Kartographische Umweltmodelle. Besonders die letztgenannte Vorlesung empfand ich als sehr interessant und lehrreich. Wir arbeiteten mit Digitalen Höhenmodellen und erarbeiteten gemeinsam mit zusätzlichen Daten Informationen zu Dünenbewegungen, Gewässernetzen, Niederschlag und Temperatur. Vor allem weil die Vorlesung in Kombination mit der Übung sehr praxisnah war, gefiel mir die Lehrveranstaltung sehr gut.

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Die meisten Lehrveranstaltungen hatte ich auf der Fakultät für Geodäsie, Kartographie und Vermessungswesen - manchmal sogar im Freien. Nur der Spanischunterricht fand an einem anderen Ort statt. Generell herrschte auf der Uni eine meist sehr entspannte und lockere Atmosphäre. Die akademische Viertelstunde wurde durchaus ausgelebt und das Personal und die Studienkollegen traf man stets offen und freundlich an.

Die Sportmöglichkeiten die man an der UPV hat sind wirklich ausgezeichnet. Zwischen den Lehrveranstaltungen traf man mich hin und wieder beim Bouldern an den zwei Kletterfelsen nicht weit meiner Fakultät und zweimal die Woche besuchte ich einen Beachvolleyballkurs. Nicht weit vom Unigelände befindet sich der große Strand der Stadt. So kann man nach einem anstrengenden Tag schnell ans Meer fahren und sich beim Sonnenbaden oder im Wasser erholen. Am Meisten nutzte ich den Strand Valencias aber um mit Freunden Beachvolleyball zu spielen.

Das für mich wichtigste Fortbewegungsmittel war mein Fahrrad, welches ich mir an der Uni günstig für ein Semester ausborgte. Von meiner Wohnung im Zentrum bis zum Campus waren es etwa 20 Minuten fahrt. Nur in Ausnahmefällen nahm ich den Bus oder die Metro. Es gibt in vielen Bereichen der Stadt gute Fahrradwege. Auch zum Joggen bietet Valencia gute Möglichkeiten. Mitten durch die Stadt verläuft ein Park, der sich im trocken gelegten Flussbett des Río Turia befindet. Diese 7 Kilometer lange Parkanlage ist von fast allen Punkten der Stadt schnell erreichbar und ein ideales Gebiet um Laufen zu gehen.

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Da Spanien eines der beliebtesten Ziele für Erasmus-Studierende ist, gibt es in Valencia einige Organisationen die Veranstaltungen, Reisen und andere Aktivitäten speziell für diese Zielgruppe anbieten. Mir war es aber wichtig auf eigene Faust Unternehmungen und Ausflüge mit neu gewonnen Freunden zu organisieren. Wir trafen uns zum Sport machen, Essen und Feiern oder wir unternahmen kleine Reisen, beispielsweise in die Gegend rund um Valencia zum Wandern, Klettern oder um in schönen Buchten zu baden. Auch weiter entfernte Ziele wie zum Beispiel Andalusien oder Madrid wurden von uns besucht. Ein schönes Erlebnis war auch die Teilnahme am 15 Kilometer Nachtlauf von Valencia den wir zu dritt bestritten.

Mit Anfang Juni kam die Hitze endgültig in der Stadt an. Joggen war nur morgens oder spät abends möglich und zum Beachvolleyball verabredeten wir uns selten vor 17:00 Uhr. Da war es gut, dass Mitte Juni für mich auf der Uni nicht mehr so viel zu tun war. Mit der vorletzten Woche des Monats waren für mich alle Fächer endgültig abgeschlossen und ich hatte bis Anfang Juli Zeit, mich allmählich mit dem Gefühl vertraut zu machen dieser schönen Stadt nach 5 Monaten den Rücken zukehren zu müssen. Es war ein Genuss für längere Zeit in die spanische Kultur einzutauchen und Teil dieser fröhlichen, offenen und feierlaunigen Gesellschaft gewesen zu sein. Valencia, ¡nos vemos!