Ich studiere an der TU München Geodäsie und Geoinformation im 3. Semester Master.

Bereits am Anfang des Studiums habe ich mit der Idee gespielt, ein Semester meines Studiums im Ausland zu verbringen. Wie ich erfahren hatte, sei es sinnvoller im Masterstudium ein Auslandssemester wahrzunehmen, um Credits anrechnen zu lassen.

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Markt in Ocana

Ich wollte auf jeden Fall in ein spanischsprachiges Land, um dort meine Sprachkenntnisse zu vertiefen. Kolumbien war mein Favorit und es bot sich die Gelegenheit, an die Universidad de los Andes in Bogotá zu gehen. Geodäsie wird dort nicht angeboten. Ich nutzte die Gelegenheit, um mir ein anderes Studienfach anzuschauen: Ingenería Industrial. Im Juni kam die sichere Zusage der Universität – Ende Juli waren bereits die Einführungstage. Die Wahrscheinlichkeit einer Absage war sehr gering, also hatte ich den Flug bereits vorher gebucht.

Vorbereitungen

Sprache - Zu Beginn des Auslandssemesters war mein Spanisch Niveau A2 bis B1. In Bogotá wurde ein Vorbereitungskurs angeboten, der sich allerdings mit den Semesterzeiten der TUM überschnitt. Ich habe dann während des Semesters einen Sprachkurs B1 belegt.

Visum – Bei einer Studiendauer von einem Semester in Kolumbien reicht es, mit einem Touristenvisum einzureisen (90 Tage) und dieses um weitere 90 Tage direkt vor Ort in Bogotá zu verlängern. Sollte man länger bleiben wollen, kann man vor Ablauf des Visums ausreisen und später wieder einreisen. Der Aufwand, in Deutschland extra ein Visum zu beantragen, lohnt sich somit nicht.

Wohnung – Ich habe in der Nähe der Uni gewohnt, am Rande der Candelaria, dem touristischen, historischen Kern Bogotás. Die Wohnung habe ich in Deutschland organisiert über einen Studenten, der dort ebenfalls ein Auslandssemester absolviert hat. Die Kosten dieser Wohnung betrugen 700 000 Pesos pro Monat. Die Wohnungssuche in Bogotá ist problemlos, es gibt z.B. Hostels, die auch Student Housing anbieten, sowie mehrere ‚residencias‘ in denen meist Austauschstudenten wohnen.

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Schwimmbad der Universität
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Wachspalmen im Valle de Cocora

Leben und Studieren vor Ort

In Bogotá mag es eine erhöhte Gefahr geben – gerade in der Candelaria – ausgeraubt zu werden. Man passt sich allerdings an, indem man sich abends in Gruppen bewegt und auch kurze Strecken mit einem Taxi/Uber zurücklegt. Die Kosten hierfür sind im Verhältnis zu Deutschland gering. Die Militärpräsenz ist hoch. Die Universitäten schützen sich und die Studenten durch privates Sicherheitspersonal. An beide Gruppen kann man sich jederzeit bei Fragen wenden.

Den Vorlesungen in einer neu erlernten Sprache zu folgen, empfand ich schwierig. Ich habe daher das Erlernen der Sprache in den Vordergrund gestellt. Zu Anfang des Semesters habe ich mit der zuständigen Fakultät vor Ort meine Fächer gewählt und so den Stundenplan gestaltet. Hierbei wollte ich Einblick in Fächer bekommen, die den Studiengang Ingenería Industrial gut wiederspiegeln und nicht unmittelbar zur Geodäsie gehören. Bei der Fächerwahl wurde ich sehr nett und kompetent unterstützt.

Zusätzlich wurde ich ein weiteres Mal eingestuft trotz meines im Voraus geschickten Sprachnachweises und dementsprechend einem Spanischkurs zugewiesen.
Das Studiensystem unterschiedet sich in vielen Punkten. Der Arbeitsaufwand während des Semesters ist hoch, da es Abgaben gibt, die die Note beeinflussen. In den meisten Fächern gibt es zwei Zwischenprüfungen sowie eine Abschlussprüfung. Hier dürfte Deutschland die Ausnahme im Gegensatz zu anderen Ländern darstellen, genau wie bei den Semesterzeiten. In Kolumbien beginnt das erste Semester Mitte Januar, das zweite Anfang August.

Ich bin eine Woche vor der Einführung nach Bogotá geflogen, um einen ersten Eindruck von Kolumbien zu gewinnen. Drei Tage vor Studienbeginn waren die Einführungstage. Herausstellungsmerkmal der Uni de los Andes ist, dass es eine Gruppe einheimischer Studenten gibt, die einen während des Semesters betreut. Die Einführungsveranstaltung war sehr schön und ich fühlte mich sehr willkommen geheißen.
Die Semestergebühren für den Besuch der Universität gehören zu den höchsten Kolumbiens. Dadurch ist die Betreuung auf einem hohen Niveau, die Gebäude sind gut ausgestattet. Besonders hat mir das Sportzentrum gefallen. Das Sportzentrum kann man unter der Woche nutzen, außerdem besteht ein großes Angebot an Tanzkursen und weiteren Sportarten wie Tennis, Squash oder Klettern. Während des Semesters gab es mehrere Veranstaltungen auf dem Universitätsgelände, z.B. wurden Bands eingeladen oder eine Jobbörse zur Verbindung zwischen Firmen und Studenten angeboten.

Durch den Kontakt mit den Studenten bekommt man einen sehr interessanten Einblick in das dortige Bildungssystem, das sich stark vom Deutschen unterscheidet. Generell besteht ein reger Austausch zwischen den verschiedenen Kulturen. Abends haben wir uns oft in einem europäisch- lateinamerikanischen Freundeskreis getroffen.

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Villa de Leyva

Reise

Kolumbien ist ein unglaublich vielfältiges und schönes Land und den Bewohnern wird nachgesagt, dass sie die offensten und extrovertiertesten Menschen Südamerikas sind, was ich so bestätigen kann. Wenn man außerdem gerne tanzt, kann man sich in diesem Land nur wohlfühlen. Es gibt viele Möglichkeiten auf Reisen zu gehen, eine Woche Ferien in der Mitte des Semesters und Feiertage, die die Wochenenden erweitern. Es gibt viele lohnende Reiseziele, besonders ist zum Beispiel die ‚Ciudad Perdida‘, die verlorene Stadt. Diese wird zu Fuß mittels eines Vier-Tages-Treks erreicht. Hier ist der Kontakt zu einem indigenen Volk sehr interessant, das nach wie vor abgeschirmt und autark lebt. Die besuchten Ruinen sind präkolonial und sehr interessant anzuschauen.

Die Sicherheitslage stellte zu dem Zeitpunkt, als ich unterwegs war, meiner Meinung nach kein Problem dar. Jedoch sollte man nichts unbeaufsichtigt lassen und stets wachsam sein. Zu dem Zeitpunkt, als ich in Kolumbien war wurde über das Referendum der Friedensverhandlungen zwischen der Farc und der Regierung abgestimmt. Das Volk hat sich mit knapper Mehrheit gegen die ausgehandelten Friedensverträge ausgesprochen. Die Verhandlungen sind wieder aufgenommen worden.

In Bogotá zu leben, bedeutet einerseits eine Einbuße an Komfort, andererseits aber auch einen Gewinn an Lebensqualität. Die preisliche Differenz zwischen selbst gekochtem Essen und Essen im Restaurant ist gering, dadurch geht man öfter Essen. Will man günstig essen, wird man umgerechnet mittags für 2.50 Euro satt. Die hier gebotenen Standardgerichte – Fleisch, Bohnen, Kartoffeln, Ei, Reis, Yucca – sind nicht schlecht, aber gewöhnungsbedürftig. Dafür hat man viel Gelegenheit, tropische Früchte zu genießen. Kulinarisch hat Bogotá trotzdem bereits ab einem niedrigen Preisniveau sehr viel anzubieten.

Kolumbien ist bekannt für seinen Kaffee. Direkt vor der Uni de los Andes gibt es eine super Möglichkeit sich einen Kaffee auf der Straße zu holen – Favio mit seiner goldenen Kaffeemaschine.