„Vermessung im Outback – aber bitte auf den Millimeter genau.“ Mit dieser Aufgabe flog ich im Juni 2016 nach Australien und reiste einige Tage später direkt weiter zum Campen ins Outback. Als Studentin der Jade Hochschule Oldenburg im 7. Semester des Studiengangs „Angewandte Geodäsie“ stand nun eine dreimonatige Praxisphase mit anschließender Bachelorarbeit bevor, die ich in Perth an der Curtin University verbrachte.

Dort angekommen wurde ich herzlich von meiner australischen Gastfamilie und meiner Betreuerin Dr. Petra Helmholz vom Department of Spatial Sciences aufgenommen und fühlte mich gleich wie zu Hause.

B1CurtinUni

Zum Einleben blieb jedoch keine Zeit, denn einige Tage später startete unsere zweiwöchige Vermessungsexpedition ins Outback von Westaustralien (WA). Die Expedition wird von der Curtin Universität alle zwei Jahre als Wahlpflichtmodul angeboten, um den Studierenden die Möglichkeit zu geben, in die Fuβstapfen von WA’s Vermessungspionieren zu treten. Jeder Student ist darin jeweils für ein Vermessungsprojekt verantwortlich. Diese Projekte befassten sich in diesem Jahr schwerpunktmäßig mit GNSS, Katastermessungen und Laserscanning. Mit 10 Studenten, 10 Mentoren sowie 9 Geländewagen mit vollgepackten Anhängern fuhren wir zwei Tage lang über Kalgoorlie und Menzis in die Goldfields zur Geisterstadt Kookynie. In der Nähe des Niagara Damms schlugen wir ein größeres Camp auf, da mehrere Projekte in dieser Gegend stattfanden. Campen bedeutete: Kein fließend Wasser, keine Steckdosen, kein Internet. Gekocht wurde über dem Lagerfeuer und geschlafen in Zelten auf rotem Sand. Die Schuhe sollte man unbedingt vor dem Anziehen auf unliebsame Tiere untersuchen. Auch wenn ich als einzige weibliche Studentin vor Ort, sowie Neuankömmling, vor einigen Herausforderungen stand, möchte ich diese Zeit nicht missen. Die Stimmung in der Gruppe war durchweg harmonisch und die Dozenten und anderen Studenten wurden nicht müde, mir zu zeigen, wie es sich im Outback doch ganz gut leben lässt – Cheers, mate!

Der Niagara Damm diente als Messobjekt für meine Bachelorarbeit, darin handelte es sich um Deformationsmessungen mit terrestrischen Laserscannern.B2NiagaraDamm Es konnte gezeigt werden, dass Deformationen von 1 mm selbst auf unebenen Objekten signifikant nachweisbar sind. Dafür wurden zwei kürzlich entwickelte Modelle eingesetzt, die die Ableitung von repräsentativen und homologen Punkten erlauben und zusätzlich stochastische Eigenschaften der Messung in der Auswertung mit berücksichtigen.

B3TeamNach der Vermessungsexpedition verbrachte ich die meiste Zeit an der Uni, habe bei weiteren studentischen Projekten geholfen, als Tutorin im Bereich Laserscanning gearbeitet und mich natürlich viel mit der Bachelorarbeit beschäftigt. Durch die flachen Hierarchien und die typische australische Freundlichkeit hat die Arbeit sehr viel Spaß gemacht. Ein großer Anteil der Studierenden kommt aus dem Ausland, daher ist die Atmosphäre sehr international geprägt und zeichnet sich durch Offenheit und Hilfsbereitschaft aus. Ich habe mich immer gerne auf dem Campus aufgehalten und auch bei anderen Studierenden spielte sich ein Großteil des studentischen und sozialen Lebens auf dem Unigelände ab. Besonders für internationale Studierende gibt es viele Organisationen und Einrichtungen, die sich darum kümmern, den Studierenden eine tolle Zeit zu bieten und bei allen Problemen gerne helfen möchten. Abgesehen davon ähnelt sich der Campus in Perth eher einer Kleinstadt, denn neben den Unigebäuden findet man dort auch viele kleine Geschäfte, Tavernen, soziale Institutionen, große Sportanlagen, ein Stadion, Parkanlagen und mehrere Studentenwohnheime. Die Stadt Perth wirkt trotz seiner knapp 2 Millionen Einwohner ganz ruhig und friedlich. Es gibt viele kleine und große Parkanlagen, die zum Barbecue, Sport oder einfach zum Entspannen einladen. Das Herzstück von Perth bildet der Swan River, an dem man abends wunderschöne Sonnenuntergange über der Stadt und im angrenzenden Kingspark erleben kann – mein persönlicher Lieblingsort. Das Semester wird zweimal von einer einwöchigen Vorlesungspause unterbrochen. Diese, sowie die Zeit nach Semesterabschluss, habe ich zum Reisen genutzt und bin zwei Wochen an der Ostküste und weitere zwei Wochen an der Westküste entlang gefahren. Die Landschaft mit ihren Tieren und Pflanzen ist genial und von den gefürchteten Spinnen und Schlangen normalerweise nichts zu sehen. Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich dieses halbe Jahr sprachlich, fachlich, kulturell aber auch persönlich viel lernen durfte und nun sehr dankbar zurückblicke. Da das Leben in Australien aber bekanntlich sehr teuer ist und ohne finanzielle Zuschüsse nicht möglich gewesen wäre, möchte ich mich ganz herzlich für die Unterstützung durch KonGeoS bedanken!B5SwanRiver