Nach dem erfolgreichen Abschluss meines Bachelorstudiums war für mich klar- So kann das nicht weitergehen! Schon die Schule in Karlsruhe besucht und den Bachelor gerade mal in einem Gebäude 100m entfernt der alten Schule angefangen. Für mich stand fest, dass ich eine gewisse Zeit raus aus dieser Stadt, die Welt sehen, Zeit für mich nehmen und ein Abenteuer im Ausland erleben muss!

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Alexander Martini (links)
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Melbourne

Die Beweggründe um auf einen Kontinent voller Kängurus und Koalas zu reisen waren für mich recht simpel – Ich wollte ein englischsprachiges Land bereisen um meine Kenntnisse wieder aufzufrischen und wenn möglich eines, das auch im Winter noch die Möglichkeit zum plantschen im Meer bietet. Sobald ich dieses Ziel vor Augen hatte ging es ratzfatz zu meinem Geoinformatik Professor, der uns das Versprechen gab Auslandsmöglichkeiten in jedem Land zu realisieren. Nach kurzer Absprache erinnerte er sich an einen Studienkollegen der nach Melbourne ausgereist ist und dort eine führende Professorenstelle an der Universität in der Fakultät für infrastrukturelles Ingenieurwesen hat. Keine Woche später stand das Praktikum und der Weg für das Abenteuer war geebnet.

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Universität Melbourne
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Verkehrssimulation mit SUMO

Der Inhalt des Praktikums wurde im Vorfeld noch nicht vereinbart, also ganz nach dem Motto der Australier- „no worries“. Ich wurde an der Universität einer Doktorrandengruppe vorgestellt, die sich mit den unterschiedlichsten Themen des Transportes, Car-Sharing oder sonstigen infrastrukturellen Fragen beschäftigte. Das Thema meines Aufenthalts durfte ich bei der ersten Besprechung auswählen: „Impact and behaviour of civilian platoons in ordinary traffic“. Zwischen Geelong und Melbourne (Strecke ca. 75 km) ist ein automatisierter LKW Konvoi geplant. Mehrere Fahrzeuge sollen in einem Abstand von ca. 3m hintereinander fahren. Das Hauptziel hierbei ist es, durch verringerten Luftwiderstand den Benzinverbrauch merklich zu senken. Die Aufgabe bestand nun darin mit einer Simulation herauszufinden, was die Auswirkungen dieser langen LKW-„Züge“ auf die anderen Verkehrsteilnehmer sind.

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Traumstrände an der Great Ocean Road

Ich bekam somit meine eigene Sitzecke mit PC und habe mich insgesamt 2,5 Monate mit diesem Thema befasst. Als Simulationsplattform entschied ich mich für SUMO (Simulation Of Urban MObility), eine freie und offene Software für Verkehrssimulationen. Ein Vorteil hierbei ist, dass die Parameter der Simulation über einfache XML-Dokumenten verändert werden können. OpenStreetMap-Daten des zu untersuchenden Streckenabschnitts als Verkehrsadern dienten als Grundlage der Simulation. Durch Variation der Anzahl der Verkehrsteilnehmer, deren Geschwindigkeiten und der Größe des Konvois untersuchte ich das Verhalten und den Einfluss des Konvois auf der australischen Autobahn.

Das Praktikum war eine Erfahrung, jede Minute danach ein Erlebnis. Die freie Zeit nach der Arbeit und an den Wochenenden war großartig. In meiner Airbnb-Wohnung, welche ich mit 7 anderen Mitbewohnern teilte, kam es nie zu Langeweile. Immer war irgendwo mit irgendwem Grillen oder ein Bierchen (oder beides) auf dem Tagesprogramm. Ich lernte sehr schnell, dass Australien das perfekte Land ist, um eine Reise allein anzutreten. Es warten Freunde auf jeder Ecke auf dich und es ist sehr leicht mit anderen Menschen ins Gespräch zu kommen. Da ich in der Universität weitestgehend alleine an meinem Forschungsprojekt arbeitete, war ich überglücklich, dass daheim eine Meute an Mitbewohnern wartete. Kein Einziger darunter konnte deutsch, womit mein Englisch sich erheblich verbessern konnte.

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Känguru Baby im Streichelzoo bei Ballarat

Australien ist leider sehr teuer, sowohl Unterkunft als auch Verpflegung kann ins Geld gehen. Um dem entgegenzuwirken waren die Wochenendtrips stets mit 8 Leuten in einem kleinen Van. Das reduziert die Miet- und Spritkosten und sorgt für gute Stimmung. Ausflüge zum Känguru-Kuscheln, der Great Ocean Road- einer Straße direkt an der Küste mit Traumstränden und Koalas und diverse Nationalparks wurden so von mir unsicher gemacht. Um die weite Anreise auch lohnenswert zu machen, bereiste ich nach meinem Praktikum für einen weiteren Monat die traumhafte Ostküste Australiens. Vom tiefsten Dschungel bis hin zu Haien im Great Barrier Reef verbrachte ich so noch einen Traumurlaub auf dem roten Kontinent.

Letztendlich bereue ich nichts an der Entscheidung alleine nach Down Under zu fliegen. Für mich persönlich war das Praktikum an der Universität ein wenig zu theoretisch und einsam, dennoch eine wertvolle Erfahrung, die ich nicht missen möchte. Falls ihr noch keine Auslandspause hattet, kann ich das nur wärmstens empfehlen. Eine ganze Horde an neuen Freunden weltweit und Eindrücke von Traumstränden, Dschungel und den kuscheligsten Tierchen der ganzen Welt werde ich immer gerne in Erinnerung beinhalten.