Schon seit Beginn meines Studiums der Geodäsie und Geoinformatik am Karlsruher Institut für Technologie stand für mich fest, dass ich dieses mit einem Auslandsaufenthalt verbinden möchte. Ob in Form eines Praktikums oder eines Auslandssemesters war nie ganz klar, bis sich dann aufgrund der bisherigen Zusammenarbeit des IPF (Institut für Photogrammetrie und Fernerkundung) am KIT und dem LCAD („Laboratório de estudos avançados em Cidade, Arquitetura e Tecnologias Digitais“) an der Universidade Federal da Bahia in Salvador die Möglichkeit auf eine Bachelorarbeit ergab.

Wiebke Harter
Wiebke Harter
Sonnenuntergang auf dem „Morro de Christo“ in Salvador
Sonnenuntergang auf dem „Morro de Christo“
in Salvador

Da ich Südamerika sowieso schon länger als Ziel im Blick hatte, war die Entscheidung nach Brasilien zu gehen nicht besonders schwer. Natürlich habe ich mir zuvor die Frage gestellt, wie das alles funktionieren wird mit Sprache, Unterkunft und Anreise, aber sobald ich mich mit diesen Vorbereitungen beschäftigte, wurde die Vorfreude auf meinen zweimonatigen Aufenthalt in Salvador da Bahia immer größer. Als ich am 4.Oktober 2015 dann in Frankfurt in den Flieger stieg war ich dann doch ziemlich aufgeregt. Mein brasilianischer Ansprechpartner Prof. Dr. Arivaldo Leão de Amorim holte mich am Flughafen ab und zeigte mir direkt im Anschluss die wichtigsten Dinge wie z.B. den Supermarkt oder die Bank, damit ich einen groben Überblick bekam. Gewohnt habe ich zusammen mit einem Brasilianer und einem Franzosen in einem Appartment, welches im schönen Stadtteil „Barra“ mit Blick aufs Meer lag. Zusammen mit den beiden Jungs habe ich lustige Abende erlebt und sie haben mir den Start in Salvador sehr leicht gemacht.

Die „Escola Publica“ in Cachoeira
Die „Escola Publica“ in Cachoeira
Die historische Altstadt „Pelourinho“ von Salvador
Die historische Altstadt „Pelourinho“ von Salvador

Nach einem freien Tag zur Eingewöhnung stand der erste Tag an der Uni an. Ich wurde allen Mitarbeitern des Instituts vorgestellt und von da an konnte ich mich bei Problemen oder Fragen jederzeit an alle wenden. Das Projekt zum Schutz des architektonischen und kulturellen Erbes, welches durch die Zusammenarbeit des KIT und der UFBA entstand, ist nach wie vor ein aktuelles Thema. Es geht hierbei um die Erfassung architektonisch und historisch wertvoller Gebäude und deren Dokumentation für die Zukunft. Aufgrund der Knappheit an finanziellen Mitteln in Brasilien wird fortlaufend nach Alternativen zu teuren und aufwendigen Vermessungen und Laserscanning gesucht. Die Photogrammetrie hat sich mit ihrer großen Bandbreite an verschiedener Software in diesem Bereich als sehr hilfreich erwiesen.

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Der berühmte Leuchtturm „Farol da Barra“ an der
Spitze der Allerheiligenbucht in Salvador

Mein Projekt war die örtliche Grundschule („Escola Publica“) der Kleinstadt Cachoeira, welche sich ca. 100 km westlich von Salvador im Inland befindet. Dort habe ich zusammen mit meinem Professor sowie zwei weiteren Mitarbeitern des Instituts Bilder von einigen architektonisch wertvollen Gebäuden aus allen erdenklichen Winkeln aufgenommen. Die vielen mehr oder weniger gut erhaltenen Gebäude aus der Kolonialzeit verfallen mit der Zeit immer mehr und für Restaurierungen ist im Bundesstaat Bahia nur sehr wenig Geld übrig. An diesem Punkt kommt die Photogrammetrie ins Spiel. Hiermit können effizient und im Vergleich kostengünstig 3D – Modelle und aus den daraus abgeleiteten Orthophotos schließlich 2D – Fassadenpläne mit CAD –Programmen gezeichnet werden. Vor allem die Fassadenpläne sind als Endprodukt für die Datenbanken der Architekten in Salvador sehr wichtig.

Für jeden der drei Knoten, mit dem man diese „Fitinhas“ befestigt, hat man einen Wunsch frei
Für jeden der drei Knoten, mit dem man diese
„Fitinhas“ befestigt, hat man einen Wunsch frei

Meine Aufgabe war jedoch nicht nur die Erstellung der Modelle mit einem einzigen Programm, sondern ein Vergleich zweier Softwaresysteme hinsichtlich Handhabung und Genauigkeit. Dieser sollte eine aussagekräftige Bewertung umfassen, welches der beiden Programmsysteme geeigneter ist und welche Stärken und Schwäche aufgefallen sind. Auf diese Art und Weise wird die Dokumentation des kulturellen Erbes in Bahia nach und nach immer weiter optimiert.

Ausblick über das „Vale do Pati“ im Nationalpark Chapada Diamantina
Ausblick über das „Vale do Pati“ im Nationalpark
Chapada Diamantina

Neben meiner Arbeit an der Uni habe ich die Wochenenden natürlich genutzt, um viele schöne Orte in und um Salvador zu besuchen und die brasilianische Kultur kennenzulernen. In Salvador – der „Capital da Alegria“ (Hauptstadt der Freude) – ist diese besonders lebhaft und auch ein bisschen chaotisch, da neben südamerikanischen Einflüssen aufgrund der Vergangenheit der Stadt auch die afrikanische Kultur eine große Rolle spielt. Ein besonderes Highlight hier in Bahia ist ein Besuch des Nationalparks „Chapada Diamantina“, welcher eine ca. siebenstündige Busfahrt von Salvador entfernt liegt. Dort wo früher nach Diamanten gesucht wurde können heute wunderschöne Wanderungen mit unfassbaren Aussichten unternommen werden. Die Vielseitigkeit dieses großen Landes macht sich schon in nur einem einzigen Bundesland bemerkbar und ich freue mich sehr, in den nächsten Wochen noch mehr Facetten von Brasilien entdecken zu können.