Durch persönliches Interesse, aber auch aufgrund der steigenden Anforderungen in der Industrie, Verwaltung und Wissenschaft, entschied ich mich einen Teil meines Studiums im Ausland zu verbringen. Da ich innerhalb Europas schon einige Orte kennengelernt habe, war schnell klar, dass es etwas „weiter weg“ gehen sollte. Die Wahl fiel schlussendlich auf die „York University“ in Toronto, die im Bundesstaat Ontario in Kanada gelegen ist.

Roman Seidel
Roman Seidel vor der Toronto City Hall
bei den PanAm Games 2015

 Also machte ich mich am 01.April 2015 auf die Reise nach Toronto. Um das Angenehme mit dem Sinnvollen zu verbinden, reiste ich zunächst einen Monat durch die Vereinigten Staaten sowie den Osten Kanadas. Besonders hervorheben möchte ich hier die beeindruckende Metropole New York City und einen einwöchigen Ausflug in den Bundesstaat Florida, der von Großstädten (Miami) bis hin zu Nationalparks (z.B. den Everglades) vieles zu bieten hat. Der Osten Kanadas ist wie der Rest des Landes nur in einem Streifen von 150 km zur Grenze der Vereinigten Staaten dicht bevölkert. Nördlich davon beginnt die „echte kanadische Natur“ mit zahlreichen kleinen Seen, oft eingebettet in Nationalparks, von denen ich einige per Kanu oder zu Fuß erkunden durfte.

Toronto selbst ist mit etwa 2,8 millionen Einwohnern die größte Stadt Kanadas. Dort begann nun meine Zeit als „Research Assistant“ an der York University am 01. Mai 2015. Die York University selbst zählt flächenmäßig zur größten und studentenmäßig (ca. 7000 Mitarbeiter und 54000 Studierende) zur drittgrößten Universität Kanadas. Da im Zeitraum von April – September in Kanada Semesterferien für die Studierenden sind, war es am Campus recht ruhig, sodass ich mich meinem Thema „Tracking on detection of objects at video surveillance data“, das ich als Masterstudent im GeoICT – Laboratory bearbeiten durfte, widmen konnte. Betreut wurde ich von Prof. Dr. Gunho Sohn vom Department of Earth & Space Science & Engineering. Die Mitarbeiter des Labs  –  dies sind Masterstudenten, Doktoranden und PostDocs - beschäftigen sich vorwiegend mit Fragestellungen für Anwendungen hinsichtlich intelligenter Transportsysteme, Verkehrsmanagement, Katastrophenmanagement, 3D urban mapping, Fahrzeug- / Personenverfolgung, Forstwirtschaft, Erschließung von Energiequellen und vielen anderen mehr.

Skyline von Toronto Mai 2015
Skyline von Toronto Mai 2015
Kanutour durch die Toronto Islands
Kanutour durch die Toronto Islands

Meine Aufgabe im Hinblick auf o.g. Thema war zunächst die Evaluierung des Standes der Forschung und Technik im Bereich Detektion / Tracking von Personen in Videoüberwachungsdaten. Im speziellen Fall wurden diese Daten dem Campus und am örtlichen Highway aufgezeichnet. Einer der aktuellen „state-of-the-art“ – Ansätze zur Erkennung von Personen in Bildsequenzen aus Pan-Tilt-Zoom (PTZ) – Kameras wurde auf die vorhandenen Daten angewandt. Weiterhin wurde ein Tracking – Ansatz dazu verwendet die zuvor detektierten Bounding-Boxen der Personen zu verknüpfen. Dieser Ansatz enthielt zusätzlich eine Segmentierung der Personen, sodass Verdeckungen der Objekte im Bild bis zu einem gewissen Grad gehandhabt werden können.

Weitere spannende Einblicke mit den Kooperationspartnern des Labs und der häufig damit verbundenen anwendungsbezogenen Forschung konnte ich durch Besuche verschiedener Firmen gewinnen. Dazu zählte z.B. die Firma Fugro Roadware, die u.a. damit beschäftigt ist, mittels eigenen Mobile-Mapping-Systemen den Zustand von Fahrbahnen zu erfassen und zu übrwachen. Hierbei ging es insbesondere um Untersuchungen hinsichtlich Auftreffwinkel und Intensität des Laserstrahls auf der Bodenebene.

Institutsgebäude auf dem Campus der York University
Institutsgebäude auf dem Campus der
York University

Weiterhin stand ein Besuch der Betreiberfirma der Mautstrecke Highway 407, welche am Westzipfel des Ontario-Sees entlang führt, auf dem Programm. Dort ging es u.a. darum, die Nummernschilder der passierenden Fahrzeuge auch unter schwierigen Beleuchtungssituationen automatisch zu erfassen bzw. die Zuverlässigkeit der Erkennung zu steigern. Dies dient dazu, die anfallenden Mautgebühren automatisiert von den Nutzern der Streckenabschnitte zu erheben.

Ein weiterer wesentlicher Höhepunkt meines Auslandsaufenthalts war der Besuch der Konferenz „Computer Vision and Pattern Recognition“, die im Jahr 2015 in Boston (Bundesstaat Massachusetts) in den USA stattfand. Die Stadt Boston liegt nur etwas 900 km von Toronto entfernt, sodass es wenig aufwändig war, für 4 Tage dorthin zu reisen und Erfahrungen rund um Photogrammetrie, Computer Vision, Machine Learning und weitere artverwandte Fachdisziplinen zu sammeln. Zurück in Toronto ging es nun darum, die neuen Ansätze im Bereich Object-Tracking aufzuarbeiten und der Gruppe von Prof. Dr. Sohn zu präsentieren.

Schlussendlich war dies eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte und die fachlich sowie persönlich sehr bereichernd war. Dem Förderverein der KonGeoS e.V. möchte ich herzlich für die finanzielle Unterstützung danken.