Schon während meines letzten Bachelorsemesters 2013 hatte ich den Entschluss gefasst den Master in Geoinformation und Kommunaltechnik (kurz GeKo) direkt im Anschluss zu beginnen. Grund dafür war hauptsächlich der Gedanke nochmal ein Semester im Ausland zu verbringen. Da das dritte Semester im GeKo Master als Auslandssemester vorgesehen ist und ich mich schon lange auch als studentische Hilfskraft mit den Austauschprogrammen der FraUAS beschäftigt hatte, entschloss ich mich für das Hessen-Queensland Stipendium zu bewerben. Nominiert wurde ich dann für die Griffith University in der wunderschönen Stadt Brisbane (2 Mio Einwohner) an der Ostküste Australiens, wo ich von Juli bis Dezember 2014 studierte.

muellner portraitmuellner 1Die Planung lief in den sechs Monaten vor der Abreise reibungslos, vor Allem auch dank der Unterstützung unseres International Office. Außerdem gab es auch ein zwei-tägiges Vorbereitungsseminar zusammen mit allen Stipendiaten für das Jahr 2014. Von mehreren Alumnis des Programmes wurde uns geraten erst nach Ankunft in Brisbane nach einer Unterkunft für das Semester zu suchen. Was für mich als Europäerin wahrscheinlich die erste große Überwindung war. Aber frei nach der australischen Standardfloskel „no worries“, war es in der Tat schon nach wenigen Tagen Suche kein Problem ein Zimmer in einem kleinen Häuschen zu beziehen. Zusammen mit einer australischen Studentin und einer Jura Studentin aus Hamburg, die wie ich ein Auslandssemester in Brisbane machte, lebte ich mich schnell sehr gut ein und erkundete mit der Hamburgerin und einem australischen Freund den ich aus Frankfurt während seines Studiums an unserer Uni kennenlernte, die Stadt und die umliegenden Nationalparks an der Gold Coast. Eines der größten Unterschiede waren die viel höheren Kosten für Lebensmittel und vor allem auch von Alkohol. Die klimatischen Bedingungen waren sehr abwechslungsreich. Vor allem ab November nahmen extreme Wetterereignisse stark zu und führten unter anderem dazu dass die Fenster im Haus bei 140 kmh Windgeschwindigkeit und Golfballgroßem Hagel kaputt gingen.

muellner 2

An der Griffith University belegte ich die postgraduate Kurse „Renewable Energy Systems“, „Climate Change Policies“ und „Engineering Communication and leadership“. Das Studium selbst war sehr viel verschulter als ich es aus Deutschland gewohnt war. Man hatte prinzipiell jede Woche verschiedene Prüfungsleistungen zu erbringen. Online Tests zu jeder Vorlesung, Vorträge, eine Unmenge an kleinen Essays und größere Hausarbeiten mussten jede Woche erledigt werden. Zudem gab es in zwei der drei Module noch eine finale Klausur. Dennoch war der Service der Uni natürlich ein ganz anderer als der an meiner in Frankfurt, was natürlich auf die unglaublich hohen Semestergebühren zurückzuführen ist, die mir durch das Stipendium zum Glück erspart blieben.  Die Professoren waren unglaublich nett und kamen auch teilweise aus Europa. Die englische Sprache war für mich in den Vorlesungen kein Problem und die Uni war generell sehr gut auf internationale Studierende eingestellt, sodass man auch die Möglichkeit hatte zusätzliche technische Englischseminare in der Bücherei zu besuchen.  Die Kursplattformen waren sehr gut konzipiert mit kontinuierlichen Vorlesungsaufzeichnungen, Wochenplänen,  einer Leistungsübersicht, Abgabetimer, Uploadportal für alle Hausarbeiten und allen wöchentlichen Materialien die man eben benötigt. Das Campusleben selbst war sehr vielfältig und bot verschiedene kulturelle Events sowie kleinere Messen, Markttage und Sportevents im Wechsel.

muellner 3Trotz andauernden Prüfungen und Abgaben kamen natürlich auch die Freizeitaktivitäten und längere Touren nicht zu kurz. Während der Semesterferien flogen meine Mitbewohnerin und ich in das tropische Städtchen Cairns, von wo aus wir mit einem kleines Campervan die Ostküste zurück nach Brisbane fuhren. Höhepunkt unserer Reise war ein drei tägiger Segeltrip über die Whitsunday islands mit dem wunderschönen Whitehaven beach und diversen Schnorchel und Tauchmöglichkeiten im Great Barrier Reef.
Andere Reiseziele während meiner Zeit waren Sydney und die Blue Mountains sowie Melbourne und die wunderschöne Great Ocean Road.

Australien selbst empfand ich als sehr viel britischer als ich es mir vorgestellt habe. Dennoch tragen das Klima und die unglaubliche Landschaft natürlich dazu bei, dass die Menschen selbst unglaublich freundlich, aufgeschlossen, hilfsbereit und einfach etwas sorgloser sind als vielleicht manch ein Brite im Norden Europas. Alles in allem bin ich glücklich und unglaublich dankbar diese Erfahrung im letzten Jahr gemacht zu haben. Der „reverse culture shock“ war neben dem Temperatursturz von 37°C auf Januarwetter in Hessen auch eine neue Erfahrung. Trotzdem muss man als Fazit sagen, dass die europäische Infrastruktur sowie das Privileg eines weitestgehend kostenlosen Studiums etwas ist, was man jetzt viel mehr zu schätzen weiß.

muellner 4muellner 6

muellner 5