Nach dem Bachelor-Studium wollte ich die Zeit ein wenig nutzen, um Erfahrungen im Ausland zu sammeln. Außerdem wollte ich ein Praktikum absolvieren, in dem ich feststellen kann, welche Profilrichtung ich in meinem Master wählen möchte. Über Kontakte meines Professors am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) konnte mir dann eine interessante Stelle für ein Praktikum in Brasilien vermittelt werden. Dieser Praktikumsplatz war in der Stadt Curitiba an der Universidade Federal do Parana am Institut für Geomatik im Bereich Fernerkundung für zwei Monate.

2014 Baron portraitBrasilien klang für mich nach einem spannenden Land, aber gleichzeitig war das Reiseziel auch mit einem sehr großen Problem verbunden. Die Landessprache ist Portugiesisch, die ich leider nicht spreche. Vor meiner Abreise konnte ich noch einen kleinen Einsteigerkurs Portugiesisch an der Universität in Karlsruhe belegen. Mit Englisch und diesem kleinen Kurs sollte ich mich dann auch ganz gut verständigen können. An der Universität in Curitiba konnte ich mit Englisch sehr gut durchkommen, wobei es auf der Straße doch eher schwieriger wurde. So lernte ich dann doch recht schnell, die wichtigsten Alltagssätze, wie nach dem Weg zu fragen oder sich nach dem Preis zu erkundigen.

2014 Baron 03Meine Aufgabe am Institut war es, Segmentierungen von Satellitenbildern zweier unterschiedlicher Zeitpunkte zu erstellen und zu vergleichen. Die Aufnahmen waren von Guaratuba, ein Ort am Strand ganz in der Nähe von Curitiba. Es gab zwei Satellitenbilder, die jeweils zu unterschiedlichen Zeitpunkten aufgenommen wurden. Vorerst arbeitete ich mich in das Themengebiet Segmentierung ein und erstellte mit verschiedenen Programmen Segmentierungen. Ich sollte überprüfen, ob die Parameter für eine Segmentierung für den ersten Zeitpunkt genauso wie für den zweiten Zeitpunkt übernommen werden können. Des Weiteren sollte auch die Handhabung der Programme verglichen werden. Welches Programm bietet die schnellste und beste Lösung?

Die Bewertung der Segmentierungen erfolgte im ersten Schritt nur visuell. Nachdem ich feststellte, dass die Bewertungsmethode sehr stark vom Betrachter abhing, entwickelten mein Betreuer und ich ein quantitatives Bewertungsverfahren. Hierbei verglich ich die aus den Segmentierungen erstellte Klassifizierung für Gebäude mit dem GroundTruth und berechnete so die Genauigkeit der Segmentierung.

2014 Baron 06Ursprünglich sollte ich hauptsächlich mit dem Professor zusammenarbeiten. Da allerdings in Curitiba am Institut gerade Personalmangel herrschte, wurde ich hauptsächlich von einer Masterstudentin betreut. Das Verhältnis zu ihr war sehr gut und sie hat mich nicht nur bei der Arbeit unterstützt, sondern mir auch die Stadt und das brasilianische Leben gezeigt. Unter Anderem haben wir beispielsweise Brigadeiro zusammen zubereitet. Das ist die Nationalsüßigkeit in Brasilien. Geschmacklich ist es eine Mischung aus Schokolade und Karamell, allerdings für den deutschen Gaumen viel zu süß. In allen Süßigkeiten und Kuchen ist deutlich mehr Zucker enthalten als wir Deutschen es gewohnt sind.

2014 Baron 05Gewohnt habe ich bei einer Gastfamilie. Diese konnte mir der Professor vom Institut in Curitiba vermitteln. Die Familie hatte drei Kinder zwischen 17 und 24 Jahren, mit denen ich ebenfalls sehr viel Zeit verbrachte. Vor allem die „Churrasco“ und der Besuch in einem brasilianischen Fußballstadion werden mir noch lange in Erinnerung bleiben. Eine „Churrasco“ ist ähnlich wie ein deutsches Grillen, allerdings hat nicht jeder sein eigenes Steak, sondern meistens wird ein großes Stück Fleisch für alle gegrillt. Hier im Bild sieht man beispielsweise die Rippen eines Rindes, das sechs Stunden lang gegrillt werden musste. Diese „Chrurasco“ fand am Nationalfeiertag „15. November“ statt. Der 15. November hat für die Brasilianer eine sehr große Bedeutung, da an diesem Tag im Jahre 1889 die Republik ausgerufen wurde. Daher heißt so gut wie in jeder brasilianischen Stadt die zentrale Einkaufsstraße „15 de novembro“.

Nach den zwei Monaten, die sehr schnell vergingen, hieß es nun von allen Leuten Abschied nehmen, die mir geholfen hatten mich in Curitiba sehr wohlzufühlen. Aber für mich war es noch lange nicht der Abschied von Brasilien. Denn nach meiner Arbeit hatte ich mir noch drei Wochen Urlaub genommen, um das sehr große Land zu erkunden. Beispielsweise besuchte ich die sehr beeindruckenden Wasserfälle Foz da Iguacu oder tanzte Samba in Rio de Janeiro. Natürlich sah ich auch traumhafte Strände und genoss die Wärme der Sonnenstrahlen.

Für mich war es eine aufregende und spannende Erfahrung auf einem anderen Kontinent 10 000 Kilometer von daheim entfernt zu wohnen und zu arbeiten. Brasilien ist ein tolles Land, von dem ich leider nur einen kleinen Teil sehen konnte. Wenn ich wieder Zeit und Geld habe, möchte ich auf jeden Fall die Leute dort wiedertreffen und noch mehr von dem Land sehen.

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