Mein Diplomarbeitsthema „Analyse und Interpretation mehrfach wiederholter GPS-Messungen am Vulkan Villarrica/Chile“ entstand durch die jahrelange Kooperation zwischen dem Institut fur Planetare Geodasie (IPG) der TU Dresden und dem Centro de Estudios Cientificos (CECS) in Valdivia/Chile. Die GPS-Beobachtungen sind Teil des Fondecyt-Projektes 1090387 „Ice-capped active volcanoes in Southern Chile: Glacier impacts of geothermal activity and eruptive events. Support to decision making and adaptative process.“, dessen Ziel die Untersuchung aktiver, gletscherbedeckter Vulkane in Südchile ist.

 

Nach der Ankunft Mitte November in Valdivia wurde durch die Mitarbeiter der Glaziologie des CECS freundlich empfangen und erhielt einen Uberblick uber die aktuellen Projekte. Am zweiten Tag hielt ich eine kurze Prasentation uber den aktuellen Stand der Auswertung und Probleme der bisher gewonnenen GPS-Daten. Dies sollte als Grundlage zur Planung der kommenden Kampagne dienen. Da die Wetterprognose fur die darauf folgende Woche sehr gut, fiel der Entschluss die Messkampagne am 22.11.2010 zu starten. Fur die restliche Woche standen dann die Vorbereitungen an. Zum einem uberprufte ich die Leica-Empfanger des IPGs, welche aufgrund anderer Projekte bereits in Chile waren, zum anderen machte ich mich mit den Javad-Instrumenten des CECS vertraut. Ziel war es jeden der insgesamt sechs Punkte mindesten drei volle UTC-Tage zu besetzen, die Referenzstation sollte durchgangig beobachten. Problem hierbei war, dass nur 4 GPS-Empfanger (und 6 Antennen) zu Verfugung standen, sodass nur eine staffelweise Beobachtung in Frage kam. Drei Mitarbeiter des CECS, welche an den Kampagnen in den Jahren 2005 und 2009 beteiligt waren, sollten gemeinsam mit mir die Messungen durchfuhren, sodass immer zwei Personen einen Punkt auf- bzw. abbauen konnten.

Am 22.11.2011 starteten wir dann von Valdivia ins 150 km entfernte Pucón, welches direkt am Vulkan gelegen ist. Nach der Ankunft installierte ich erfolgreich die Referenzbasis auf der Halbinsel Pucón, während zwei Kollegen einen nahegelegen Punkt aufbaute. Am zweiten Tag bauten wir gemeinsam den am schwierigsten zu erreichenden Punkt auf. Zunächst fuhren wir ca. 40 Minuten einen Weg in sehr schlechtem Zustand, danach brauchten wir ca. 4,5h zu Fus bis zum Punkt (eine Stunde über den Gletscher). Die Beobachtung dieses Punktes war mir besonders wichtig, da dieser auf dem altem Kraterrand gelegen ist und bisher nur im Januar 2005 besetzt wurde. Wir fanden den Pin ohne Korrosionsschaden vor und konnten die GPS-Beobachtungen erfolgreich starten. Am 3. Tag konnte auch der dritte Beobachtungspunkt erfolgreich aufgebaut, nach einem Ruhetag konnten wir bereits mit dem Abbau der ersten Punkte beginnen. Alle drei Empfänger liefen bei der Ankunft einwandfrei. Nach dem Abbau des bereits erwähnten Punktes auf dem ehemaligen Kraterrand stiegen ein Kollege und ich noch etwas hoch zu einer mobilen Wetterstation auf dem Gletscher Pichillancahue, um diese zu überprufen und dessen Position mit GPS zu bestimmen (Beobachtungsdauer ca. 30 min). Dies gab mir außerdem einen sehr guten Überblick über den südlichen Teil des Vulkans und über den Gletscher.

Der Aufbau der verbliebenen drei Punkte wahrend den darauf folgenden Tagen verlief weiterhin erfolgreich. Der Zeitplan für den Auf- und Abbau der GPS-Stationen sah insgesamt zwei freie Tage vor. Diese sollten für thermale Aufnahmen des Lavasees im Krater mit einer infrarotsensiblen Kamera genutzt werden; aufgrund eines Getriebeschadens des Allradantriebautos und den damit verbundenen logistischen Problemen konnte dies leider nicht realisiert werden. Der Abbau des höchstgelegenen Punktes (2231 m u. MSP) konnte aufgrund schlechten Wetters zunächst nicht durchgeführt werden. Als das Wetter schließlich einen Aufstieg zuließ fanden wir die Antenne komplett vereist vor, leider funktionierte der Empfänger bzw. die Batterie nicht mehr. Der Abbau des letzten Punktes und der Referenzstation verlief ohne weitere Probleme, sodass wir insgesamt erfolgreich nach zwei Wochen nach Valdivia zurückkehren konnten.