„Ach, du bist in den USA? In Los Angeles?“ – „Nein, ich bin an der Uni in Los Angeles, Chile.“ Solche Fragen habe ich diesen September oft beantwortet. Wer denkt bei „Los Angeles“ auch schon an die kleine Stadt in Mittelchile? Ich selbst vor meinem Auslandspraktikum bestimmt auch nicht. Und so musste ich, als ich von meinem Professor erfuhr, dass ich an der Universität von Concepcion, genauer auf dem Campus in Los Angeles, ein Praktikum machen konnte, auch erst mal nachschauen, wo das liegt. Von dem Minenunglück vor einem Jahr hatte ich natürlich im Fernsehen etwas mitbekommen aber sonst wusste ich über Chile nicht sehr viel. In meinem Reiseführer wurden aber tolle Landschaften und interessante Städte beschrieben. Und so machte ich mich dann ziemlich neugierig am 2. September von Frankfurt aus auf die Reise.

Als ich am Flughafen in Concepcion ankam, wurde ich gleich von Juan Carlos Baez, dem Professor, der mich die ganzen vier Wochen betreuen sollte, empfangen. Auf der Fahrt nach Los Angeles zeigte er mir Hauser, die vom Erdbeben im letzten Jahr schwer beschädigt waren. Er erklärte mir alles, was ich für meinen Aufenthalt wissen musste, zeigte mir die Uni und besprach mit mir, was ich in meiner Zeit an der Uni alles machen konnte. Sogar ein Zimmer direkt neben der Uni hatte er mir besorgt.

In der ersten Woche durfte ich an einem Projekt des deutschen Dozenten Guido Staub mitarbeiten, bei dem es darum ging, die Küstenlinie Chiles genau zu bestimmen. Für das Projekt wurden Satellitenbilder geliefert, die nun sortiert und auf ihre Brauchbarkeit untersucht werden mussten. Ich gab die Koordinaten in Google Maps ein und erstellte dort eine Karte mit den abgedeckten Gebieten. Das war für mich eine tolle Möglichkeit, die Küste Chiles, die Tausende Kilometer lang ist, besser kennen zu lernen. In den Satellitenbildern suchte ich anschließend mit dem Programm Envi nach Punkten, die im Gelände gemessen werden konnten. Die Schwierigkeit dabei war, dass viele Bereiche nur schwer oder gar nicht zuganglich sind. In der folgenden Woche erstellte ich auch eine Karte der Radarbilder.

Dann hatte ich die Möglichkeit, mit Juan Carlos Baez ins Gelände zu gehen. An einem Vulkan, Antuco, der knapp 3000m hoch ist, ist eine GPS-Station angebracht, um die Aktivität der Erde zu überwachen. Von dieser Station mussten wir Daten herunterladen, da sie über keine Internetverbindung verfugt. Es blieb aber auch noch Zeit, um den Nationalpark, zu dem der Vulkan gehört, anzuschauen.

Die nächste Aufgabe gab mir wieder Guido Staub. Er arbeitet an einem Projekt über die Antarktis, für das er Informationen über einen Satelliten namens Cryosat benötigte. Deshalb sollte ich im Internet recherchieren und eine Präsentation gestalten. Cryosat ist ein Satellit, der Daten über die Polargebiete aufzeichnet, um die Eisdicke zu bestimmen. Die Herausforderung dabei war, die Information aus englischen Seiten herauszubekommen und daraus eine spanische Präsentation zu machen. Dabei habe ich sehr viel gelernt. Mit dem Spanisch klappte es mittlerweile immer besser.