Während meines Geomatik Masterstudiums an der HafenCity Universität in Hamburg wollte ich gerne Auslandserfahrungen sammeln. Ich bekam die Möglichkeit für zwei Monate von Anfang April bis Ende Mai bei Arbonaut in Joensuu in Finnland ein Praktikum zu machen.

Arbonaut ist weltweit führend in der Entwicklung von Datenerfassungs- und GIS-Lösungen für Waldinventuren und im Bereich Natural Resource Management. Mit dem entwickelten ArboLiDAR Inventurprozess, der Laserscanningdaten integriert, werden kosteneffektive Waldinventuren ermöglicht. Die Arbeitssprache bei Arbonaut ist Englisch, da nur ungefähr die Hälfte der Mitarbeiter finnisch sind. Ich arbeitete in der REDD Abteilung. REDD ist eine globale Verpflichtung zur Reduzierung von Kohlenstoffemissionen. Dabei sollen Länder mit tropischen Wäldern, die REDD Ziele unterstützen, kompensiert werden. Hierfür werden Waldinventuren in tropischen Gebieten benötigt. Arbonaut erstellt Biomasseschätzungen mit Hilfe von Feld-, Lidar- und Satellitendaten. Nachdem ich mich in die Theorie eines aktuellen Projekts in Nepal eingelesen hatte, bekam ich eine eigene Aufgabe. Die Waldmaske, die als Grundlage für eine lidar- und fernerkundungsgestützte Biomasseschätzung diente, sollte mit Hilfe von Google Earth Bildern hinsichtlich ihres Auslassungs- und Zuweisungsfehlers betrachtet werden. Dabei konnte ich das Biomasseschätzverfahren selbst durchführen, um am Ende einen korrigierten Biomassewert zu erhalten. Außerdem konnte ich viel Wissen aus den Mastervorlesungen praktisch anwenden und mich somit auf meine Masterarbeit vorbereiten.

Joensuu liegt rund 440 km nordöstlich von Helsinki in Nordkarelien. Joensuu ist eine Universitätsstadt mit ca. 74.000 Einwohner. Der Name Joensuu bedeutet im Finnischen Flussmündung, was auf die Lage der Stadt zurückzuführen ist. Als ich Anfang April nach Finnland kam, lagen noch gut 50 cm Schnee. Es dauerte einige Wochen bis der Schnee komplett verschwunden war und alle Flüsse und Seen aufgetaut waren. Die wunderschöne Landschaft ist geprägt von Birken- und Nadelwäldern (Finnland ist das waldreichste Land Europas), Flüssen, Seen und bunten Holzhäusern. Die Tageslänge wuchs in den 2 Monaten von 13 auf über 19 Stunden. Da die finnische Sprache nicht von den indogermanischen Sprachen abstammt, habe ich in meiner kurzen Zeit dort nur die wichtigsten Worte gelernt. Untergebracht war ich in einem Studentenwohnheim.

Insgesamt bin ich sehr dankbar dafür, dass mir die Möglichkeit gegeben wurde, für zwei Monate in Finnland zu arbeiten. Es war eine wunderbare Erfahrung so viele interessante Menschen, andere Kulturen und ein internationales Arbeitsumfeld kennenzulernen. Ich kann nur jedem empfehlen ein Auslandspraktikum zu machen.